Der Debattenkern zum Grundeinkommen

Was ist der eigentliche Kern in der Debatte zu einem bedingungslosen Grundeinkommen?

Unsere gesellschaftlichen (Wert-)Vorstellungen sind häufig aufgrund nicht in Frage gestellter Erfahrungen ideologisch geprägt. Daher gibt es zwei entscheidende Ebenen in der öffentlichen Debatte ...

Die erste Ebene der Debatte  

Will ich überhaupt ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Menschen?

Das bedingungslose Grundeinkommen ist kein Naturgesetz! Es ist auch in erster Linie keine politische Forderung. Sondern eine inspirierende Idee, eine visionäre Antwort, ein persönlicher Wunsch auf die Frage: "In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?"

Denn im Kern liegt die Herausforderung für ein BGE im normativen Raum, im Aufweichen, in Frage stellen und im gemeinsamen deuten alter Vorstellungen unter neuen Vorzeichen. Es gilt um Sozialität und Freiheit im wechselseitigen Spannungsverhältnis, um die Entkopplung von Arbeit und Einkommen, um die Würde und Entwicklungsfähigkeit des Menschen.

Es geht im Kern auch um die Formulierung eines neuen Gesellschaftsvertrags!

Und es ist die entscheidende Frage nach dem eigenen Menschenbild, die sich in negativer Weise darin ausdrückt, dass man die Idee der Bedingungslosigkeit an und für sich gut findet, aber seine Mitmenschen als nicht verantwortungsvoll, als nicht reif dafür, begreift. Es geht auch um persönliche Ängste.

Es geht um die Anerkennung von Wertigkeit und Verantwortungsfähigkeit gegenüber Menschen.

Sofern wir andere Menschen nicht unsere Überzeugungen aufzwingen oder sie unter Druck setzen, sondern vielmehr inspirieren und einladen wollen, können eigentlich nur folgende Prinzipien für uns gelten ...

Die Werte unserer Debattenkultur als Auftrag gegenüber uns selbst ...

Wer will, findet Wege. Wer nicht will, der findet Gründe ... aber der Preis der Freiheit ist die Freiwilligkeit. Man kann Menschen vom Grundeinkommen nicht überzeugen, sondern lediglich die Idee Grundeinkommen wie ein Geschenk anbieten. Diejenigen, die davon berührt sind, werden sich der Idee widmen.

Wer also prinzipiell kein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Menschen in unserer Gesellschaft will, der wird sich auch weiterhin nicht dafür aussprechen, sogar wenn er oder sie es volkswirtschaftlich für machbar hält.

Die zweite Ebene der Debatte  

Verstehe ich die eigentlich die BGE-Idee und unsere ökonomischen Realitäten?

Häufig liegt die Herausforderung in der Debatte zum Grundeinkommen erst einmal im Ausräumen von falschen Annahmen und Vorstellungen, die einer Realisierung dieser Idee zugrunde liegt. Dies fängt bereits mit dem sperrigen (bürokratischen) Begriff: "bedingungsloses Grundeinkommen" an ... hier zeigen sich insbesondere zwei Kommunikationsprobleme:   

1.) Die Idee wird so verstanden, dass Menschen alle nur noch ein (gleiches) (Grund)Einkommen erhalten. 

2.) Die Idee wird so verstanden, dass Menschen das Grundeinkommen 'oben drauf' zu ihrem Einkommen erhalten.

Alleine diese zwei fehlgeleiteten Annahmen führen naturgemäß zu gänzlich anderen Bewertungen durch die Menschen, als wir dies in der Kerndebatte beabsichtigen, sofern es uns nicht durch kluge Kommunikation gelingt, diese Verständnisproblem erst gar nicht aufkommen zu lassen. 

Selbstverständlich gilt, dass wir selbst erst einmal im Kern unsere Idee verstanden haben müssen, bevor wir sie anderen Menschen vorstellen können.