Grundlegende Gedanken für eine erfolgreiche BGE-Öffentlichkeitsarbeit


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Oft kommt dann das Argument „wir wollen mit unserem Inhalt und nicht mit Äußerlichkeiten überzeugen“ – aber warum nicht den tollen Inhalt ansprechend und gut erzählt verpacken? Warum nicht den Markt mit seinen eigenen Waffen schlagen und Medien nutzen und damit auch die Vorurteile entkräften und überwinden? 

Ist es nicht eine viel schönere Herausforderung und Aufgabe, diejenigen neugierig zu machen, zu öffnen und zu überzeugen, die sich bisher mit den Themen noch nicht so beschäftigt haben?
«  Andrea Kolb • green.wiwo.de

Inspirieren, um neue Erfahrungen machen zu können

»Indem man an die Menschen appelliert, indem man es ihnen erklärt, indem man sie unterrichtet und belehrt - ändert sich nichts.«  Gerald Hüther im Podiumsgespräch • YouTube

Daraus ergeben sich folgende Fragen: "Wie können wir (neue, bessere) Erfahrungen im Zusammenhang mit dem bedingungslosen Grundeinkommen vermitteln? Wie können Menschen zu einer konstruktiven, aktiven Haltung in dieser Frage (zu dieser Gesellschaftsutopie) kommen?"


1. Vertrauen schaffen in die Initiative & ihre Menschen

Warum verweise ich das Kernanliegen einer Grundeinkommsinitiative auf den zweiten Platz? Nun, da wir für unsere (gute) Idee kaum Gehör finden, wenn wir durch unser Publikum keine ausreichende Wertschätzung erfahren. Daher ist es einer der wertvollsten Bemühungen, gegenüber seinem Publikum ein echtes Vertrauensverhältnis auf zu bauen. 






Achtung! Gefährliche Trittbrettfahrer

Populäre Inhalte zu nutzen oder sich mit Akteuren darzustellen, die sich zwar (auch) dem Thema Grundeinkommen widmen, aber einen eher 'unseriösen Beigeschmack' oder eigennützige Absichten vermitteln, einen überheblichen Ton gegenüber Dritten anschlagen oder einen umfassenden Wahrheitsanspruch geltend machen, darauf sollte im Zweifel besser verzichtet werden.

Tipp Wer diesbezüglich kein sicheres Gespür hat, kann sich anhand der erfolgreichsten Initiativen, an deren Themenwahl und Gästen, orientieren. 

Denn Verbindungen zu Akteuren oder Organisationen, die nicht die eigenen Werte teilen, deren Hintergründe nicht transparent und schwer einschätzbar sind, bedrohen den eigenen Ruf. Um mit einer breiten Bevölkerungsschicht in einen aktiven, konstruktiven Dialog zu treten, haben wir es ja schon unter 'guten Voraussetzungen' schwer genug.

Fazit Praktische Verantwortung können wir nur für die eigenen Handlungen und Inhalte (Einflussbereiche) übernehmen!

Das Geheimnis des Misserfolgs

Tom Aslan engagiert sich bei Global Change Now e.V. und hat einen beruflichen Hintergrund in professioneller Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Vortrag (YouTube) - ca. 11 Minuten, bis 0:18:30 - präsentiert er seine ultimative Anleitung zum Unglücklichsein. ;-)  



2. Interesse & Begeisterung erzeugen für das BGE

Bitte erinnert euch stets daran, dass wir einen entscheidenden Vorteil für eine konstruktive Debattenkultur haben, nämlich dass wir FÜR-ETWAS sind und nicht GEGEN-ETWAS.

Ein schönes Beispiel wie der Ton die Melodie macht - der Kurzfilm 'The Power of Words' (1:48 min)

Die besten Inhalte schafft man selbst und regional

Es besteht die Chance sich eher überflüssig zu machen, wenn wir hauptsächlich die Neuigkeiten anderer Quellen vervielfältigen. Klar, das ist einfach(er). Bedeutet deswegen aber auch kein besonderen Mehrwert. Prinzipiell klüger wäre es Inhalte zu erstellen, die das Thema Grundeinkommen mit regionalen Bezügen beleuchten - also das Prinzip "Think global, act local" nutzen - da dies ein höheres Interesse (Mehrwert) an euren Inhalten verspricht. Nicht bundesweit, aber dafür umso mehr für die Menschen in eurer Region.

Natürlich sollte man sein Publikum auf besondere Ereignisse zum BGE hinweisen, beschränkt euch aber lieber auf echte 'Highlight-Ereignisse'. Das schützt euch auch davor, die Aufmerksamkeit eures Publikums zu überfordern und lässt den wirklich wichtigen Botschaften genügend Raum (diese Botschaften sollten dann aber durchaus wiederholt kommuniziert werden). 

Wenn es Inhaltsanbieter gibt (z.B. eine andere Initiative), deren Arbeit ihr schätzt und helfen wollt zu verbreiten, verweist lieber (z.B. per Linksammlung) auf deren Angebote! Erfolg verbucht man durch 'selber machen'.

Erfolg kommt auch von Konzentration. Konzentriert euch auf das Grundeinkommen

Ich vergleiche das mit dem Unterschied zwischen einer Glühlampe und einem hochenergetischen Laser. Die Glühlampe verschafft zwar einen schönen Überblick in dunklen Räumen, aber erst der Laser bündelt das Licht und schafft es effektiv Spuren zu hinterlassen.  

Auf die Behandlung scheinbar zugehöriger Themen wie Energiewende, ALG II, Geldsysteme, Commons, usw. sollte zugunsten der eigenen Öffentlichkeitsarbeit verzichtet werden. Denn, hey, ist euch das Grundeinkommen nicht schon herausfordernd genug?! :)

Aber das Engagement in anderen Bereichen fördert letztlich die Idee Grundeinkommen !? 

Das kommt sehr darauf an! Ich bitte euch, diese Ansicht selbstkritisch zu hinterfragen. Sicherlich, es kann (gute) Gründe geben, dass wir uns nicht alleine auf das BGE-Thema beschränken. Alleine, um mit anderen Menschen aus anderen zivilgesellschaftlichen Initiativen in (intensiveren) Kontakt zu treten. Es stellt sich aber die Frage, ob wir uns nicht in einem schleichenden Prozess immer mehr von unserem eigentlichen Anliegen eines Grundeinkommens entfernen. 

Ein praktisches Beispiel von anders-herum-doppelt-gemoppelt

Wenn es sowohl eine Petition "Gegen Hartz4" gibt als auch zeitgleich eine Petition "Für ein BGE" - für welche sollte ich mich um Anteilnahme in der Öffentlichkeit bemühen? Oder sollte ich meine Kräfte aufteilen und mich je zur Hälfte für beide Anliegen engagieren? 

Würde ich durch eine 'Contra-Hartz4-Haltung' eine umfassendere, nachhaltigere Forderung in unserer Gesellschaft unterstützen, als mit einer 'Pro-BGE-Haltung'? Und wenn es keine Hartz4-Sanktionen mehr gibt? Was dann? Ist das nicht letztlich schon eine teilweise Forderung nach einem BGE ... aber man spricht es halt nicht direkt an, weil es (noch) zu utopisch ist?

Wäre es also nicht sinnvoller eine positive Vision zu entwickeln, neue Hoffnung und Sinn zu stiften, anstatt ein angstmachendes (und daher verdrängtes) Thema einer baldigen Vergangenheit intensiv zu behandeln?

Das Grundeinkommen als breites Querschnittsthema lädt zu Ausflügen ein

Klar, man kann die Idee des Grundeinkommens als typisches Querschnittsthema vielfältig beleuchten, aber die Frage bleibt, wie sinnvoll ist das für unser Anliegen?

Es macht beispielsweise ein großen Unterschied, ob man Ausflüge in andere gesellschaftliche Bereiche, Initiativen und Anliegen macht, wenn wir dabei ...

a) deren Perspektiven mit einem 'wie-wäre-es-wohl-für-euch-mit-einem-Grundeinkommen'-Szenarien bereichert

oder ob wir

b) wir deren Perspektiven übernehmen und sie zu unserer Öffentlichkeitsarbeit machen

Im ersten Fall blieben wir unserem Anliegen treu und würden es stärken, in zweiten Fall würden wir unser Anliegen zumindest weniger stark fördern, als es uns eigentlich möglich wäre.